Charlotte Perriand (Paris, 1903-1999) war eine französische Designerin und Architektin, die zu den Symbolfiguren der Moderne zählt. Der Beitrag von Charlotte Perriand zur Architektur und zum Design ist seit jeher mit den Projekten des Architekturbüros von Le Corbusier und Pierre Jeanneret verbunden, dem die Kreative 1927 durch ein Praktikum beitrat. Auf der Konferenz „Das Abenteuer Möbel", die Le Corbusier 1929 in Buenos Aires abhielt, stellte er Perriand als „unsere Mitarbeiterin für der Einrichtung von Häusern" vor, aber neuere Studien haben eine ganz andere Geschichte ans Licht gebracht. Schließlich hatte sich die junge Designerin bereits mit ihrer auf dem Salon d'Automne ausgestellten „Bar sous le toit“ einen Namen gemacht: Die Barmöbel bestanden aus verchromtem Stahl, eloxiertem Aluminium und Glas und zeigten Perriands Distanz zum damals vorherrschenden Art Déco-Stil.
Beispielhaft für ihre Bravour ist auch die Geschichte über die berühmte Chaiselongue mit dem Namen LC4, die Perriand nach den Anweisungen des Meisters Le Corbusier fertigte. Der Stuhl sollte eine Mischung aus dem von Dr. Jean Pascaud entworfenen „Ruhestuhl“ und dem Schaukelstuhl aus Bugholz von Thonet sein. 1929 wurde das Patent für die ikonische Schaukel-Chaiselongue auf den Namen von Madame Scholefield, geborene Perriand Charlotte, und Charles-Edouard Jeanneret, bekannt als Le Corbusier & André Pierre Jeanneret, eingetragen. Während ihres zehnjährigen Verbleibs im Atelier entwarf die Designerin weitere Möbelstücke, die heute zum Olymp der Design-Ikonen gehören, zusammengefasst in der Kollektion LC und heute von Cassina in der Linie I Maestri produziert und vertrieben. Perriand selbst trug zum Relaunch der Kollektion bei, da sie ab 1978 eng mit den Technikern des italienischen Unternehmens zusammenarbeitete, um Produktionsmethoden zu entwickeln, die der Philosophie und den Entwürfen des Trios Le Corbusier, Jeanneret und Perriand aus den 1930er Jahren entsprachen.
Charlotte Perriands Errungenschaften für Design und Architektur endeten nicht mit ihrem Ausscheiden aus dem Atelier in der Rue de Sèvres 35, sondern wurde zu guter Letzt durch Einflüsse aus Japan und Brasilien neu belebt. Die Jahre von 1940 bis 1943 verbrachte die Designerin in Japan, wo sie dank ihres Freundes und Kollegen Junzō Sakakura zur „Beraterin für Industriekunst" im Ministerium für Handel und Industrie ernannt wurde. Gerne war Charlotte Perriand auch in Brasilien, ein Land, das sie von 1959 bis 1970 regelmäßig besuchte und das einen wichtigen Platz in ihrem Werk einnahm. Dort schloss sie Freundschaft mit Lucio Costa, Oscar Niemeyer und den Protagonisten der progressiven Kulturszene. Es folgten Projekte wie die 1959 gemeinsam mit Le Corbusier entworfene Kollektion LC35 Maison du Brésil oder die Bücherregal-Kollektion Nuages sowie die Couchtische Accordo, die Perriand für die ihr gewidmete Retrospektive des Musée des Arts Décoratifs im Jahr 1985 entwarf. Das Archiv mit Perriands beeindruckendem Werk, das neben Möbeln und Wohnaccessoires auch zahlreiche architektonische Arbeiten umfasst, wird heute von ihrer Tochter Pernette Perriand und ihrem Schwiegersohn Jacques Barsac verwaltet. Charlotte Perriand starb 1999 im Alter von 96 Jahren in Paris.