Giulio Iacchetti wurde 1966 in Castelleone in der Provinz Cremona geboren. Zwei Jahre lang besuchte er die Fakultät für Architektur in Mailand, verließ diese dann aber 1987, um den Wehrdienst zu leisten. Danach studierte er Industriedesign an der Berufsfachschule der Lombardei in Crema. Die Ausbildung schloss er 1990 mit dem Entwurf eines Griffs ab, der kurz danach von der Firma Frascio in Lavenone in Produktion genommen wurde. Im Jahr 2004 nahm Iacchetti sein Universitätsstudium wieder auf, schrieb sich am Campus Ravenna der Universität Bologna für Konservierung und Restaurierung von Kulturgütern ein und machte dort 2008 seinen Hochschulabschluss.
Von großer Bedeutung war für Giulio Iacchetti die Begegnung mit Matteo Ragni, mit dem er im Jahr 2000 für Pandora Design das biologisch abbaubare Mehrzweckbesteck Moscardino entwarf. Das Besteck wurde mit dem Industriedesignpreis Compasso d'Oro ausgezeichnet und in die Sammlung des MoMA in New York aufgenommen. Dies war der Beginn einer intensiven Designertätigkeit, die Iacchetti zur Zusammenarbeit mit renommierten Designmarken wie Abet Laminati, Alessi, Artemide, Fontana Arte, Foscarini, Ifi, Magis, Pandora Design führte. Darüber hinaus übernahm er die künstlerische Leitung für Unternehmen wie Ceramica Globo, Coccio Design, Dnd, Myhome und Danese Milano. Für letzteres entwarf er zahlreiche Objekte, darunter den Briefbeschwerer Medhelan aus Zement, die Schreibunterlage Secondo piano, den Fingerschmuck Tau, die Keramikkaraffe Sula und die Eiswürfelform Lingotto aus Gummi. Besonders erfolgreich gestaltete sich auch die Zusammenarbeit mit iB Rubinetterie, das unter seiner kreativen Leitung eine reichhaltige Kollektion von Armaturen und Mischbatterien produzierte. Für Sambonet designte Giulio Iacchetti die Bestecke Duetto und Elba, für Alessi den Brieföffner Uselen und die Weinartikel-Kollektion Noè.
Im Jahr 2009 erhielt Iacchetti den vom damaligen italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano verliehenen nationalen Innovationspreis „Premio dei Premi“ für das Projekt Eureka Coop, das er für die Supermarktkette Coop Italia verwirklichte und mit dem er Design in den Großhandel brachte. Im selben Jahr veranstaltete die Triennale di Milano eine Einzelausstellung mit dem Titel „Giulio Iacchetti. Oggetti disobbedienti”. Iacchettis Interesse an der Beziehung zwischen Handwerk und Design führte 2012 zur Idee des Projekts Internoitaliano, ein System für die Produktion und den Verkauf von Einrichtungsgegenständen, das sich auf ein Netzwerk aus Handwerksbetrieben und Qualitätsmanufakturen stützt. Mit diesen designt und produziert Iacchetti Möbel und Zubehör, die vom italienischen Lebens- und Wohnstil inspiriert sind. Gleichzeitig betreibt er eine persönliche Forschung zu neuen Projektthemen wie dem Kreuz, das die Ausstellung „Cruciale" ins Leben rief - zu sehen im Diözesanmuseum Mailand, in der Basilica di Santo Stefano Rotondo in Rom und im Castello di Lombardia in Enna.
Im Jahr 2014 erhielt Giulio Iacchetti seinen zweiten Compasso d'Oro für die Kanaldeckel-Serie Sfera, die er zusammen mit Matteo Ragni für Montini gezeichnet hatte. Im selben Jahr wurde anlässlich des Fuori Salone in Mailand das in Zusammenarbeit mit dem Surfer und Designer Francesco Aldo Fiorentino verwirklichte Projekt „Surf-o-Morph“ präsentiert. Aus der Verbindung von Design und Sport entstanden neue Performance-Surfbretter, deren Linien an die Silhouetten eines Schwertwals, Delfins bzw. Hais erinnern. Ein Projekt, das beim ADI Compasso D'Oro International Award 2017 während der Ausgabe zum Thema „Sport-performance and Innovation" eine Ehrung erhielt.